„Warum erinnere ich mich an das eine und nicht an das andere?“ Mit ihrem Filmessay Grossvater hat das Meer nie gesehen exploriert Christine Hürzeler die eigene Familiengeschichte auf ungewöhnliche und ungewöhnlich poetische Weise. Die Filmemacherin verschränkt Familienaufnahmen, Found Footage und aktuelle Aufnahmen zu einer visuellen und akustischen Befragung ihrer Herkunft. Bei näherer Betrachtung zeigen sich Unstimmigkeiten, Brüche und nicht eingestandene Sehnsüchte, die das Familienglück letztlich als Inszenierung ausweisen. „Seid lieb zu einander, sagte der Vater. Wir haben es doch nett.“

Über das Persönliche hinaus dokumentiert Hürzelers Film auf verblüffend genaue Art und Weise die Atmosphäre einer ganzen Epoche: Das Unbehagen der einzelnen ist auch das Unbehagen einer Generation, die in einer vermeintlich freien Gesellschaft aufwächst und dabei ständig bedroht wird vom Schatten des kalten Krieges.

(CH, 2011, DigiBeta 16:9, 26')